Früher als kleines Mädchen habe ich mich immer geweigert zu glauben ich hätte weniger Möglichkeiten als mein Bruder oder meine damals meist männlichen Spielkameraden. Warum auch? Heute sind wir emanzipiert und ich wurde von meiner Mutter sicherlich auch nicht allein zum braven Leben am Herd erzogen. Erst heute, ziemlich spät, beginnt es mir zu dämmern, dass da doch einiges ziemlich andes, viel schwieriger, ist als bei Männern.
Und das liegt nicht nur an unserer Erziehung und Gesellschaft die jungen Mädchen und Frauen auch heute nicht all die Möglichkeiten bietet wie Jungen und Männern. Das liegt auch schlicht und ergreifend an uns selbst. An unserer Psyche und unserem Körper. Warum trauen sich Frauen durch die Bank einfach weniger zu, sind selbstkritischer, vorsichtiger und instabilier? Klar, trifft das nicht auf alle Vertreter dieses Geschlechts zu, aber schaue ich mich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis meiner Generation um, sehe ich es dennoch massenhaft. Auch die Frauen die mehr oder weniger durchsetzungsfähig an einer steilen Karriere basteln, sind ständ von Zweifeln geplagt. Zweifeln nicht gut genug zu sein, Zweifeln zu gut zu sein und damit andere gegen sich aufzuhetzen. Zweifeln nicht stark genug zu sein und Zweifeln zu stark zu sein und damit anderen auf die Füsse zu treten. Das heißt, nicht, dass sie nicht dennoch ihren mal mehr mal weniger steilen Weg nach oben gehen und damit nach außen hin alle dazu veranlassen zu glauben, Frauen gingen heute doch vielfach die gleichen Wege wie Männer. Aber sieht man eben genauer hin, unterscheiden sich diese Wege trotz des gleichen Ergebnisses nach wie vor enorm! Denn die Wege sind gepflastert mit Gefühlen. Guten und schlechten. Einem Rauf und Runter. Das neben den “ganz normalen” Anforderungen des Karrierewegs zu managen, erfordert eben auch ein zusätzliches Maß an Kraft.
Nicht alle Frauen haben dieses Maß an Kraft. Trotzdem sie vielleicht ausreichend Talent, Fleiß, Determination und Willen hätten. Sie sind eben nicht in der Lage ständig den eigenen Zweifeln, den eigenen Unsicherheiten, den eigenen Schwankungen entgegenzutreten.
Früher als kleines Mädchen hätte ich das als Charakterschwäche, als mangelnde Entschiedenheit als feige oder kraftlos interpretiert. Heute, viele oder zumindest einige Jahre später musste ich am eigenen Körper erfahren, dass das so einfach nicht ist. Ich musste lernen, dass die Hormone, die in mir Achterbahn fahren und mich wohl seit Jahren an den Rand der Verzweiflung gebracht haben, mehr Macht in mir ausüben, als mir lieb sein kann. Verächtlich wird auch heute darüber gesprochen: Frauen halten einfach nichs aus, sind dauernd krank, lassen sich von ihren Gefühlen so mitnehmen, haben ständig zickige Zeiten vor ihren Tagen usw. usw. …. Genauso verächtlich habe ich als kleines Mädchen gedacht: “So werde ich nie. Ich bin so rational, mit solcher Gefühlsdusselei gebe ich mich nicht ab.” Dass es Gefühlsdusselei ist, hatte ich aber natürlich nur gehört und aus dem dummen Geplapper anderer übernommen. Das Geplapper von den Frauen die so sind, weil sie so sein wollen und sich den ganzen Tag nur um Basler Mode & Co kümmern. Heute weiß ich wie schlimm es einem gehen kann wenn die Hormone das Zepter in der Hand haben. Immer wieder tagelang schlaflos. Völlig übermüdet, fix und fertig. Da wird jeder hyper-sensibel. Natürlich ist man so auch jedem Krankheitserreger ausgeliefert. Ein Teufelskreis aus Tränen, Krämpfen, schlaflosen Nächten, Verzweiflung und nur kurzen Pausen die gerade so ausreichen, um sich ein wenig von dem Desaster zu erholen. Da beginnt alles schon wieder von vorne.Was liest man darüber: “Die Ursache der Beschwerden von Frauen mit der starken From von PMS dem sogenannten PMD sind bisher unbekannt. Das Leben der Betroffenen wird durch die vielfachen psychischen und physischen Bescherden oftmals erheblich beeinträchtigt.” So ist man alleingelassen, hilflos mit den Problemen. Findet oft kaum Kraft sich damit auseinanderzusetzten.
Nun leiden natürlich nur circa 5-8% aller Frauen an dieser schweren Form der Hormonstörung. Aber wohl circa 70-80% der Frauen leiden immerhin unter den ganz “normalen” Beschwerden der ganz normalen monatlichen Hormonschwankungen. Und all diese 70-80% der Frauen müssen damit eben auch an jedem anspruchsvollen Tag im Job zurecht kommen. Egal wie schon wieder der Unterleib schmerzt, egal wie blank die Nerven liegen, wie verletztlich man sich fühlt, wie wenig man geschlafen hat, wie schwindlig einem ist oder mit welchen depressiven Ängsten Frau zu kämpfen hat. Da muss man sich halt zusammenreißen und funktionieren. Kann man das nicht. Hat Frau eben Pech gehabt!